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Lordaratas Forum Mod und Admin

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 11.01.2008 Beiträge: 113 Wohnort: Osnabrück
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Verfasst am: 07.10.2008, 10:36 Titel: Warum der Tod Selbstmord begehen wollte |
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Nachdem die Idee schon lange in meinem Kopf rumgegeistert ist habe ich die Kurzgeschichte endlich aufgeschrieben!
Warum der Tod Selbstmord begehen wollte
An einem sonnigen Sommertag hatte der Tod sich in das Leben verliebt.
Er war hingerissen von ihren roten Wangen, den blitzenden, klaren Augen, dem warmen Blut, dass durch die weiße Haut hindurch schimmerte.
Ihre jungfräuliche Unschuld am Morgen reizte ihn ebenso wie die Selbstsicherheit und die Ruhe, die sie des Mittags auszeichneten.
Wenn sie am Abend nachdenklich wurde, sich unter die alte Linde setzte und den Tag Revue passieren ließ, bewunderte der Tod ihre Weisheit.
Gelegentlich trafen sie sich, kurz nur, doch er wusste, sie gehörten zusammen.
Der Tod beneidete das Leben. Er meinte, dass es ihm in seinen vielen Facetten überlegen war. Von den Gefühlen, aus denen das Leben schöpfen konnte, kannte er nur wenige. Sie alle waren dunkel, schwer, stumpf und voller Angst – doch mit einem hellen Streifen durchzogen, der sich die Erlösung nannte.
Von diesem Streifen wurde das Leben magisch angezogen - manchmal am Morgen, wenn der Tag noch jung war und die Sonne die Erde noch wenig erwärmt hatte, gelegentlich Mittags, wenn man meinte, der Tag würde noch viele Überraschungen bereit halten, und öfter am Abend, der schwer auf den Lider lag und das Leben fast erdrückte.
Die Gefühle übermannten es zuweilen, so dass es den Tod beneidete, der von alledem verschont blieb.
Der Tod indes lernte durch das Leben eine neue, zarte Regung kennen – die Liebe. Diese wuchs über ihn hinaus und schien ewig währen zu können.
Das Leben erkannte indessen, dass der Tod zu ihm gehörte.
Eines Tages versuchten das Leben und der Tod, mehr Zeit als bisher miteinander zu verbringen. Sie wurden gegenseitig so voneinander angezogen, dass sie der Faszination Raum und ihrer Beziehung eine Möglichkeit geben wollten.
Bisher hatten jedes Treffen nur wenig Zeit in Anspruch genommen, meist waren ihnen nur einige gemeinsame Sekunden beschert wurden.
Als sie einen Tag in Gesellschaft verabredet hatten, merkten sie kurz vor dem vereinbarten Termin, dass ihr Vorhaben durch ihre Pflichten verhindert wurde.
Das Leben musste sich an immer neuen Orten einfinden, und auch der Tod musste seine schwarze Kutte an einem Ort weit ab vom Leben über die Erde ziehen.
Und doch wussten beide, dass sie zusammengehörten, und so versuchten sie weiterhin, sich ein ausgedehntes Treffen zu ermöglichen und die Welt des Anderen zu erkunden.
Nach einiger Zeit, die nur mit Vereinbarungen und ohne deren Verwirklichung verstrichen war, wurde der Tod sehr betrübt. Und auch das Leben saß des Abends lang unter der Linde, grübelte nach und sehnte sich nach dem Tod und seiner Erlösung.
Der Tod, durch seine Gedanken abgelenkt, blieb, wo er war, und das Leben wurde immer trauriger. Der Abend schien nicht enden zu wollen und es wurde beschwerlich, unter der Linde zu sitzen und den Gefühlen des Lebens vollkommen ausgeliefert zu sein.
Sie hatten sich schon so lange nicht mehr gesehen - keinen Morgen, keinen Mittag und keinen Abend waren sie einander begegnet.
Betrübt beschloss der Tod darauf, sich seiner selbst ein Ende zu setzen. Er strich seine Kutte zurück, erinnerte sich an die Erlösung und versuchte mit der Sense, seine Handwurzelknochen zu durchtrennen – doch was war das?
Nichts passierte! Kein Blut floss, kein Schmerz durchfuhr ihn, keine Tränen liefen seine Wangenknochen hinab.
Das Leben saß indes im Garten der Lüste unter der Linde und wusste von alledem nichts. Es grübelte und grübelte, die Gefühle und Gedanken begruben es fast unter sich, und ein Ende war nicht in Sicht.
Nach seinem gescheiterten Versuch saß der Tod in der Unterwelt, fischte gedankenverloren im Hades und dachte nach. Warum konnte er seinem neuen Gefühl nicht freien Lauf lassen und selbst über sich entscheiden? Er gehörte doch zum Leben, konnte nicht mit und nicht ohne ihm sein.
Er beschloss, sich in die Arbeit zu stürzen, um den Kummer so erträglich wie vorher zu machen. Es schien ihm, dass es früher doch ein sehr angenehmes Dasein gewesen war.
Am folgenden Morgen erfuhr das Leben vom Fährmann des Hades, dass der Tod sich seinen alten Pflichten gewidmet hatte. Aus Freude, dass sie sich nun wieder öfter – wenn auch so kurz wie vorher – sehen würden, sprang das Leben den ganzen Morgen umher – unschuldig und rosig wie je zuvor.
Auch der Tod wusste, dass sie sich wieder treffen würden und wartete geduldig darauf.
Der Tag kam, und das Leben winkte ihm vom anderen Ufer des Stromes zu.
Der Fährmann nickte gefällig, setzte herüber wie eh und je, und immer wenn sich der Tod und das Leben von nun an sahen, lächelten sie einander zu – kurz nur, doch sie wussten um den Zauber dieses Moments. _________________ <a><img></a> |
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Udara Gast
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Verfasst am: 07.10.2008, 14:14 Titel: |
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| oh man Daniel, wo hast du die denn her? hast du dir die Geschichte selber ausgedacht? Also wenn ja, dann kann ich nur sagen ist sie gut geworden. Also ich finde sie sehr interessant |
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Lordaratas Forum Mod und Admin

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 11.01.2008 Beiträge: 113 Wohnort: Osnabrück
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Verfasst am: 07.10.2008, 14:18 Titel: |
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ja ist von mir!
ich hab früher viel mehr geschrieben! Es war sogar mal ein ganzes Buch im Planung, allerdings habeich die Idee verworfen als es alles zuviel wurde _________________ <a><img></a> |
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